Eigentlich ist die Kampagne von Wolf-Wurst (oder doch Wurst-Wolf?) – gerade hier in Leipzig mit seinerzeit allgegenwärtigen City-Postern – schon lange gelaufen. Da ich einerseits unbedingt verhindern will, dass diese sozial anspruchsvollen und wirklich annähernd bis zur Unerträglichkeit emotionalisierenden Motive vollends aus dem Gedächtnis entschwinden, diese andererseits nach wie vor als E-Cards vertrieben werden, wage ich mal ein “Re-Up”:
Nur zum Einstieg, wer erinnert sich nicht an die grenzwertig lasziven Werbespots von Lätta, die in Konzeption, Bildsprache und Wortinhalt wesentlich stärker an Hilfsmittel für außergewöhnliche Sexualpraktiken erinnerten, als an schnöde Margarine. Mehr Personen im Bett als bei unsereins zuhause – Bettwäsche (die einzige Wäsche in diesem Spot) weiss – “Sie” raus aus dem Bett – ran an den Kühlschrank – Lätta an die Wange. Man hätte auch Fragen können: “Finden Sie den Fehler!”.
Vielleicht bin ich zu konservativ, aber mich stört natürlich, dass in diesem Spot nicht eine einzige Scheibe Brot vorkommt. Egal ich schweife ab.
Die Kreativen bei der “Wolf Vertriebs GmbH” fühlten sich vermutlich waaaaahnsinnig inspiriert. Sie dachten wohl, dass man das absolute Lifestyleprodukt Wurst doch auch besser mit Emotion verkaufen könne. Und wenn schon mit Emotion, warum dann nicht gleich mit Sex, denn Sex sells ja bekanntermaßen.
Dass die erwünschte Zielgruppe (Gruß an meine ehemaligen Professoren: ich weiß, eigentlich heißt es Dialoggruppe) nicht kongruent zu Lätta hoch zwei im postjugendlichen “Ménage-à-trois”-Bereich zu finden ist, sondern eher im “Mein Lieblingshobby sind neue Selbermachfrisuren”- oder “Samstag will ich mit Muddi grillen”-Millieu, hatte natürlich Folgen für die Bildsprache.
AN DIESER STELLE FANDEN SICH GANZ KURZ DIE ABBILDUNGEN DER ECARDS, online unter http://web97.server-dream.de/cms/front_content.php?idcat=937 bzw. unter www.wolf-wurst.de. Ich wurde bereits darauf hingewiesen, dass ich damit das Urheberrecht verletze . Ich sehe das Ganze zwar eher als erlaubten Katalog, aber sei´s drum. Deshalb verweise ich ausdrücklich auf die Originalmotive und lasse mich nicht grafisch sondern bildlich im Text darüber aus.
Mal abgesehen davon, dass “Kind klaut Omi die Wurst” abgedroschen ist, dass “lächelnde “Sie” mit Lockenwicklern reicht ihm die Wurstschnitte rüber” meinen Albträumen entsprungen sein könnte (zumindest “Sie”) und “Wurstbemme in der Wanne” auch inklusive Gurke ekelhaft ist (diesmal die Wurst, nicht “Sie”):
Die viertens dargestellte Wunschvorstellung (ich hatte mich erst verschrieben, und Wurstvorstellung getippt, Freud!) – “Er am Bett festgebunden, grinsend, einen schnöden Elektrokleingrill im Schlafzimmer und “Sie” hält ihm mit der sterilen Grillzange wedelnd eine der vier bis zwölf Bratwürste vor die Nase” – kann nur einem total kaputten Werberhirn entsprungen sein.
Nicht, dass ebendiese kranken Werberhirne nicht allenthalben zutage treten würden. Ich frage mich eigentlich eher, wie dieses Motiv die Entscheider von Wurst-Wolf passieren konnte. Vielleicht enthält die Lieblingswurst ja dieselben bewusstseinserweiternden Stoffe wie die Lätta hoch zwei. Vielleicht, und das ist meine größere Angst, gibt es mittlerweile vielleicht doch einen Bratwurst- oder Heavy-Schlafzimmer-Grilling-Fetisch.
