Die halten uns für genauso blöd, wie wir sind

Eines meiner Lieblings-Chef-Ökonomen-Werkzeuge, dass in aller Regelmäßigkeit zur Beschreibung des wirtschaftlichen Gesamtwetterlage zitiert wird, ist der Ifo-Geschäftsklimaindex. Jeden Monat aufs neue:
Wörtlich zitiert aus boerse.ard.de, 22.07.2011 10:34 Uhr:

Stimmung in der deutschen Wirtschaft kühlt ab. Das viel beachtete Barometer sank auf 112,9 Punkte. Im Juni war der Index noch auf 114,5 Zähler geklettert. Analysten hatten mit einem nicht ganz so starken Rückgang gerechnet. Sie hatten ein Niveau von 113,8 Punkten prognostiziert.

Wenn dabei schon Ergebnisse dabei herausspringen, die sich mathematisch präzise abbilden lassen, wenn das Instrument schon einen solch hochempirisch anmutenden Namen trägt, wenn Dritte zudem schon vor Veröffentlichung Ihre Erwartung über dessen Entwicklung preisgeben, dann ist das doch sicher höhere Kunst, tiefe Wissenschaft, ersprungen aus schierem Expertentum.
Wie meinte mal eine geistig berentete Augenärztin zu meiner Sehschwäche: “Ihre Leberflecke lassen auf massive psychische Probleme schließen, Sie müssen zum Psychologogen und danach zum Hautarzt.” Die Mechanik des Ifo-Indexes könnte von ihr stammen.

Dazu Volker Pispers:

Also die [Mitarbeiter des IFO-Institutes] fragen [ausgesuchte Unternehmer] nicht wie war es, oder wie ist es, sondern die fragen “Was glaubt Ihr, wie wird es?”. Und daraus erstellen die einen Index mit einer Stelle hinterm Komma.

Wissen Sie, was hier los ist? Die halten uns für genauso blöd, wie wir sind.

Mit hat ja eine Lesebrille geholfen.

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Fillkommen tsur Pörse

Eine der beiden Domains, die hierher leiten, ist www.wirtschaftszynismus.de. Den folgenden Zitaten – alle aus der Börsenberichtserstattung von ard online – habe ich außer “total krank” nichts hinzuzufügen.

  Der meist gesuchte Terrorist der Welt ist tot. Auch für die Anleger ein Grund zur Freude. Der Dax eröffnet am Morgen 0,8 Prozent höher und markiert ein neues Dreijahreshoch.

  Marktteilnehmer werden voraussichtlich Aktien kaufen und Anleihen verkaufen, da die Berichte über bin Ladens Tod nachlassende geopolitische Risiken widerspiegeln.

  Auch die Ölpreise haben am Montag deutlich nachgegeben. Händler führten dies unter anderem auf den Tod von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden zurück.

Nein, ich kann meine Klappe doch nicht ganz halten. Weiterlesen

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Frauen mit Humor

Ich glaube nicht, dass Jette Joop, Ilse Aigner, geschweige denn Silvana Koch-Mehrin bei ihren Entgegnungen auf Josef Ackermanns vermutlich ungewollten Chauvinismus, Frauen brächten Farbe und Schönheit in die Vorstandsetagen, laut gelacht haben. Ich schon. Der Reihe nach:

“Das tradierte Rollenbild von Herrn Ackermann holt ihn ein, oder warum hat er seinen 60. Geburtstag im Bundeskanzleramt bei Frau Merkel gefeiert?”

“Wenn Herr Ackermann mehr Farbe im Vorstand will, soll er sich Bilder an die Wand hängen”

“Wer es farbiger und schöner mag, soll auf eine Blumenwiese gehen oder ins Museum”

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Pressefreiheit ist unbezahlbar, für alles andere gibt es Mastercard.

So ein Mist, jetzt wollte ich gerade über Mastercard an wikileaks spenden, aber das geht ja bekannterweise nun nicht mehr, weil das aufrechte Unternehmen mit den pfiffigen Slogans ja Spenden an diese Verbrechertruppe nicht mehr weiterleitet.

Dann bekommt mein Geld eben der Ku – Klux – Klan. Spenden via Mastercard an diese – sagen wir einmal – integere und politisch aufstrebende Gemeinschaft blasshäutiger Gutmenschen sind, Meinungsfreiheit sei Dank, natürlich nach wie vor möglich, wie die süddeutsche heute berichtet. Was für ein Glück.

Die Logik dahinter ergibt sogar perfiderweise Sinn. Wikileaks vertritt keine Meinung, sondern distribuiert Fakten. Der Klan hingegen hat nichts anderes als eine  Meinung. Anscheinend sind in den USA eben Fakten wesentlich schlechter geschützt als das Hirnrissigste, Menschenverachtendste und Obskurste, was sich gerade noch unter dem Begriff mit universaler Reichweite “Meinung” zusammenfassen lässt. Was für ein Glück.

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